banner-neu

12.02.2015 - NWZ

Mehr Rückendeckung vom Kreis gefordert

Bürgerinitiative kämpft weiter vehement gegen geplante Mineralstoffdeponie bei Döhlen
Vorsitzender Beewen stellte den Stand des Verfahrens vor. Lob gab es für die Unterstützung durch die Gemeinde.

Ausdauer brauchten die Zuhörer am Dienstagabend im Saal bei Kempermann in Großenkneten. Hier informierte die Bürgerinitiative (BI) Steinhöhe mehrere Stunden lang vor rund 70 Zuhörern und Mitgliedern bei der Jahreshauptversammlung über den aktuellen Stand der geplanten Mineralstoff-Deponie in Döhlen.

Bereits zum vierten Mal lud die BI zur Mitgliederversammlung ein. „Wie lange das noch notwendig ist, wissen wir auch nicht“, so Beewen. „Dass es noch keinen Baubeginn gegeben hat, ist auf unser Dagegenhalten zurückzuführen, aber auch auf die Gemeinde Großenkneten, die stur bleibt und Genehmigungen nicht erteilt.“

Viele Gespräche

Hintergrund: Die Bürger befürchten die Gefährdung von Trinkwasser und Lebensmittelerzeugung. Für Tonnen von Asbest und andere schädliche Stoffe gebe es hier keinen Platz, so Beewen, wie auch der MdL Hans-Joachim Janßen (Bündnis 90/Die Grünen) und Bernhard Wolff, Kreisgeschäftsführer des Landvolks, bekräftigten.

Beewen berichtete eingangs über den zweitägigen Erörterungstermin in Wardenburg im Mai 2014. 750 Einwände lagen vor. Das Beratungsergebnis wurde auf 250 Seiten nebst zehn Anhängen festgehalten. „Aus unserer Sicht ist es gut gelaufen. Erheblicher Beratungsbedarf besteht bei der Verkehrssituation, Kompensation, Artenschutz und Grundwasser“, so Beewen.

Zuvor waren die BI-Vertreter im März zu einem Gespräch am Rande einer Landtagssitzung in Hannover gehört worden. Ein Gutachten von Dr. Frank Niederstatt im Auftrag der Gemeinde ergab, dass die Gemeinde nicht viele Möglichkeiten zum Klagen hätte.

Kritik am Kreis

Mitte des Jahres sprach die BI mit dem Landkreis. „Aus unserer Sicht war das Gespräch nicht sehr fruchtbar. Der Kreistag hat sich gegen die Deponie ausgesprochen und einen entsprechenden Auftrag an die Kreisverwaltung erteilt. Das wird aber so nicht umgesetzt“, prangerte Beewen an. Er vermisste vom Landkreis die eindeutige Stellungnahme gegen die Deponie, die auch für das Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg ein wichtiger Hinweis sei. „Stattdessen werden Kompensationsflächen benannt, die sogar vom Antragsteller als nicht geeignet angesehen werden oder sogar schon mit alten Rekultivierungsmaßnahmen bedacht worden sind.“

Im Dezember reichte die BI ergänzende Unterlagen beim Gewerbeaufsichtsamt ein. Darin geht es um Punkte wie die Klärung der Zuständigkeit im Kreuzungsbereich Sager Straße, „vorsorglich strenge Alternativenprüfung“, Grundwasserneubildung, Kompensation und Artenschutz.

Viel Ärger verursachte der Dauertest einer Rüttelwalze in der Sandkuhle, der auf 250 Stunden angelegt war. Viele befürchteten hier den inoffiziellen Baubeginn.

Artenschutz gewinnt Bedeutung im verfahren

Die Vorstandswahlen brachten keine Veränderungen. Vorsitzender bleibt Rainer Beewen, zweiter Vorsitzender Gerd Krumland, Sprecher Claus Rohde, Kassenwart Henning Rowold, Schriftführer Mirco Meyer, Beisitzer Henning Kappelmann, Dieter Kreye und Jürgen Seeger. Kassenwart Henning Rowold betonte, dass über 5000 Euro an Spenden für die Arbeit der BI eingegangen seien.

Das geplante Baustoff-Umschlagzentrum in Ahlhorn war auch Thema. Schlimmstenfalls könnte hier ein Drittel der möglichen Aufnahmemenge an nicht verwertbaren Abfällen für die Deponie Döhlen anfallen. „Erstens wollen wir kein Gewerbe verhindern, zweitens ist die Menge nicht groß genug, um den Antragstellern ein Argument zu liefern“, stellte Beewen dar.

Der Artenschutz könnte noch zum großen Thema werden. Von der BI beauftragte eigene Untersuchungen durch Fachleute brachten seltene Amphibienarten ans Tageslicht. In der Sandkuhle wurden die Knoblauchkröte, Erdkröte, Grasfrosch, Teichfrosch und Teichmolch sowie die Kreuzkröte mit alleine elf Exemplaren gefunden. Allesamt selten, schützenswert und mit Reproduktionsnachweis. Dazu kommen 55 Vogelarten, davon 46 Brutvögel. Sieben davon stehen auf der Roten Liste. „Damit muss der Antragsteller erneut seine Unterlagen entsprechend überarbeiten“, so Beewen. Hier ergebe sich auch eine direkte Klagemöglichkeit für die BI, wenn ein entsprechender Beschluss vom Gewerbeaufsichtsamt (GAA) ergeht. Gar nicht geklärt sei auch der Verkehrsfluss, der vornehmlich über Kirchhatten fließen würde.

Der Grünen-Kreistagsabgeordnete Eduard Hüsers, auch stellvertretender Landrat, erinnerte an seine Kritik am GAA Oldenburg (die NWZ  berichtete): „Die Kreistagsfraktion fordert die Beendigung beziehungsweise Abgabe der Zuständigkeit bezüglich des Deponievorhabens in Döhlen. Eine unabhängige Prüfung durch das GAA Oldenburg ist nicht mehr gegeben.“ Hüsers weiter: „Der Kreistag hat vor Jahren die Renaturierung der Sandgrube in Döhlen beschlossen. Leichtfertig sollte sich ein GAA darüber nicht hinwegsetzen.“

Autor: PK/NWZ

Foto
vorheriger Artikel nächster Artikel
zurück zur Übersicht

99947

banner-unten