banner-neu

16.03.2013 - NWZ

Kreuzkröten kontra Kies-Kontor

Deponiegegner sorgen weiter für mächtig Gegenwind – Breiter Schulterschluss

Gutachterfehler seien aufgedeckt worden. Schon jetzt werde das Projekt um eine Million teurer; doch der Antragsteller gebe nicht auf.

Die Bürgerinitiative Steinhöhe hat in ihrem Kampf gegen die geplante Mineralstoffdeponie der Bodenkontor Steinhöhe GmbH an der Krumlander Straße schon einiges erreicht. Das machte Sprecher Claus Rohde am Donnerstagabend auf der sehr gut besuchten Hauptversammlung deutlich.

Die erneute Auslegung sei erzwungen, diverse Gutachterfehler und Fehlkonstruktionen seien aufgedeckt worden. Die geplante Bodenabdichtung werde jetzt doppelt so dick. Allein die Einsprüche der Deponiegegner hätten schon zu Mehrkosten von einer Million Euro für den Antragsteller gesorgt, so Rohde. „Wir wollen für diese Region kämpfen.“

Wichtig sei der Schulterschluss aller Betroffenen, um das Projekt zu verhindern, das aus „reiner Profitgier“ von den Antragstellern auf den Weg gebracht worden sei.

Eigentlich sollte die Sandgrube im Bereich Döhlen, Haschenbrok und Hengstlage nach ihrer Ausbeutung wieder verfüllt und renaturiert werden. Eine Wiederaufforstung mit einem Wald aus Hainbuchen und Stieleichen sei in der ursprünglichen Genehmigung zum Sandabbau vorgesehen.

1,44 Millionen Tonnen

Doch es kam anders: Die Bodenkontor Steinhöhe GmbH habe den Antrag auf Errichtung der Mineralstoffdeponie gestellt. Auf 15 Hektar Gesamtfläche sei eine riesige Anlage geplant. Während einer Betriebsdauer von 18 Jahren sei die Verfüllung von 1,44 Millionen Kubikmetern Schutt vorgesehen. Und dieser Abfall sei nicht harmlos, wie von den Antragstellern immer wieder betont werde. „Beim Blick in die Abfallliste wird einem schwindelig“, so Rohde.

Diverse Stoffe seien als gefährlich klassifiziert. Dies alles wolle der Antragsteller auf einer dünnen Folie auf einem wasserdurchlässigen Sand-Untergrund lagern. Rohde sprach von einer erheblichen Grundwassergefährdung. „Es ist hanebüchen zu behaupten, das sei sicher“, meinte Rohde. „Kein Mensch kann mir erzählen, dass eine Folie hundert Jahre hält.“

Erhebliche Sorge bereiten auch die gefährlichen Feinstäube. „Wir haben in diesem Bereich richtig Wind mit der höchsten Erosionsstufe, die es überhaupt gibt“, stellte er fest. Rundherum sei Lebensmittelproduktion angesiedelt. Schweine-, Legehennen- und Hähnchenställe befänden sich in unmittelbarer Nähe.

Viele Gefahren

 Die Gefährdungspotenziale durch eine solche Deponie sind nach Ansicht der Gegner für Menschen und Nutztiere schon riesig. Und auch im Bereich Natur- und Artenschutz gibt es viele Punkte, wo die Gegner mit Unterstützung des Naturschutzbundes Nabu ansetzen. Rohde nannte Uferschwalbe, Feldlerche, Kiebitz und insbesondere auch die Kreuzkröte als besonders geschützte Amphibie.

Gute Argumente

Auch an der Zuverlässigkeit der Betreiber hegt die Initiative weiterhin arge Zweifel, sei doch schon beim Sandabbau zu tief gebaggert worden.

Es gebe viele gute Argumente gegen den Deponiestandort. Mit der neuen Landesregierung sei vielleicht noch mehr Gehör als bisher für die berechtigten Einwände zu erzielen, meinte Vorsitzender Rainer Beewen. Die Zahl der Einwendungen ist nach der dritten Auslegung auf 950 angestiegen. Diese müssten von den Antragstellern abgearbeitet werden. „Es bleiben unterm Strich noch sehr viele offene Fragen“, meinte der Vorsitzende. Der Kampf geht weiter. Dazu setzt die Initiative auf viele Unterstützer aus allen Bereichen. Dabei wünsche man sich von Seiten der Gemeinde und des Landkreises ein noch offensiveres Vorgehen, hieß es.

Vorstand gewählt

Der Vorstand  der Bürgerinitiative Steinhöhe arbeitet bis auf eine Änderung in bewährter Besetzung weiter. Einstimmig bestätigt wurden 1. Vorsitzender Rainer Beewen, 2. Vorsitzender Gerd Krumland, Sprecher Claus Rohde, Kassenwart Henning Rowold, Schriftführer Mirco Meyer sowie die Beisitzer Dieter Kreye und Jürgen Seeger. Als neuer Beisitzer wurde Henning Kappelmann für Jürgen Hillen gewählt. Es gab viel Lob für das große Engagement des Vorstandes.

Die drei Bürgermeisterkandidaten stellten sich auf der Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative kurz vor und gaben Stellungnahmen ab:

Michael Krüger (unabhängig) sagte der Initiative bedingungslose Unterstützung zu. Es könne nicht sein, dass recht skrupellos Geschäfte auf Kosten der Gesundheit der Menschen und Tiere gemacht würden.

Thorsten Schmidtke (SPD) sprach von einem Unding, wenn man sehe, wie hier an Stelle der Renaturierung nach dem Sandabbau von den Betreibern mit der Deponie nun noch mal richtig Profit gemacht werden solle.

Ludger Bickschlag (parteilos) forderte die Betreiber der Sandgrube ebenfalls auf, sich an das zu halten, was ihnen auferlegt worden sei. Die Gemeinde sollte sich an juristischen Kosten der Bürgerinitiative beteiligen.

Autor: KD/NWZ

 

Foto
vorheriger Artikel nächster Artikel
zurück zur Übersicht

99959

banner-unten