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28.03.2012 - Wildeshauser Zeitung

Deponie in Döhlen sorgt für Wirbel

Info-Veranstaltung der „Bodenkontor Steinhöhe GmbH“ / Anwohner sind verärgert

Ein klassischer Schuss in den Ofen ist dem Unternehmen „Bodenkontor Steinhöhe GmbH“ am Montagabend in Döhlen (Gemeinde Großenkneten) passiert. Angesichts des Streits um die beantragte Mineralstoffdeponie hatten die vier Geschäftsführer zu einem Info-Abend in den „Döhler Krug“ eingeladen.

Man wolle den Anwohnern ein Stück weit die Ängste nehmen und gleichzeitig Transparenz schaffen – zumindest lautete so die Ankündigung.

Im Grunde muss den Gastgebern klar gewesen sein, dass sie sich auf einen Spießrutenlauf einlassen würden. Dennoch, so hatte man wahrscheinlich geglaubt, könne die Konfrontation als Zeichen des Vertrauens aufgefasst werden. Die Taktik ging nach hinten los.

Schon nach wenigen Minuten war die Geduld der Anwohner erschöpft. Die Ausführungen – getreu dem Motto „Wir halten alle Vorschriften ein“ – wollte niemand im Publikum so hinnehmen. Es gab etliche Einwände. Am Ende des Abends resümierte Rainer Beween, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Steinhöhe“, dass die Antragssteller teilweise sogar hilflos wirkten. „Das lag auch an den Unterlagen, die noch immer sehr fehlerhaft sind“, betonte er.

Von Anfang an standen die Gastgeber im Kreuzfeuer der aufgebrachten rund 100 Bürger: „Von Ihnen wohnt ja auch keiner in der Gemeinde Großenkneten“, wandte sich Claus Rohde direkt an die Vertreter auf dem Podium. „Sie setzen uns dieses Ding einfach vor die Nase und wir haben das Problem, damit leben zu müssen.“

Im Laufe des Abends gab es viele emotionale Beiträge, vergleichsweise aber noch mehr sachliche und fachliche. Die Deponiegegner zeigten sich äußerst gut vorbereitet, allen voran Claus Rohde. Der studierte Bauingenieur brachte die Referenten immer wieder in Verlegenheit. Gerne zitierte er aus Antragsunterlagen, zweifelte Gutachten an oder stellte die Baupläne infrage. Mehrmals wartete er vergeblich auf eine Antwort.

Gerd Mohrmann, einer der „Bodenkontor“-Geschäftsführer, verwies stattdessen auf den noch nicht datierten Erörterungstermin. Erst dann könnten die genauen Pläne für die Deponie bekannt gegeben werden. „Heute geht es zunächst darum, dass wir Ihre Sorgen und Ängste aufnehmen. Selbstverständlich setzen wir uns damit auseinander“, gab sich Mohrmann kompromissbereit. Erwartungsgemäß stieß er damit auf taube Ohren.

Rohde nutzte den Moment, um noch einmal den Standort Döhlen anzufechten: „Die Deponie soll auf einem Sandabbaugebiet errichtet werden. Nach den offiziellen Deponievorschriften sind sandige Böden für einen Standort ungeeignet – es sei denn, es gibt keine Alternativstandorte.“ Genau darum habe sich der Antragssteller bislang aber nicht gekümmert.

Gerd Horstmann, ein weiterer „Bodenkontor“-Geschäftsführer, ging darauf nicht näher ein. Stattdessen versicherte er, die Deponie werde eine wasserfeste Basis- und Oberflächenabdichtung bekommen. Es handele sich dabei um eine 2,5 Millimeter dicke Schutzschicht aus Kunststoff. Zusätzlich würden noch Fliese, Drehmatten und eine Tonschicht von einem Meter eingefügt.

Auf Nachfrage bestätigte Horstmann, dass die Deponie als Endlager für die Abfälle geplant sei. „Das ist aber kein Atommüll“, fügte er hinzu. Sofort äußerten die Anwohner wieder ihre Sorgen. Es sei davon auszugehen, dass sich mit dem wachsenden Müllberg auch der Druck auf die Folie erhöhe. „Irgendwann drückt ein spitzer Gegenstand ein Loch da hinein. Auch die Tonschicht kann das nicht verhindern“, sagte jemand. „Durch den Druck rutschen schwere Gegenstände immer weiter nach unten.“ Dies sei eine mathematische Gewissheit.

Ebenfalls herrschte Unklarheit, wohin das Unternehmen seine aufgefangenen Sickerwässer abtransportieren will. Weder die Gemeinde Großenkneten noch der OOWV oder die EWE hätten sich zur Abnahme des Sickerwassers bereiterklärt, so die Anwohner. „Wir fahren unser Sickerwasser ab“, lautete Horstmanns knapper Kommentar. Ob und mit wem man diesbezüglich in Verhandlungen stehe, wolle er nicht verraten – „sonst laufen Sie auch dort wieder hin und machen einen Aufstand.“ Aus dem Publikum gab es höhnisches Gelächter.

„Wir sind hier in Döhlen ohnehin schon arg gebeutelt“, berichtete Rohde. Es gebe bereits zwei Hähnchenmastställe ohne Filteranlagen und einen Schweinestall. Zusätzlich attestiere ein Gutachten eine besonders ungünstige Winderosion in der Gegend. „Irgendwann muss auch mal Schluss sein“, hieß es.

Die Gegenseite sieht das offenbar anders: „Vom Gesetzgeber wird es als klug angesehen, wenn viel Belastung an einem Ort konzentriert wird“, sagte Stephan Janssen, der als Ingenieur von der „Bodenkontor Steinhöhe GmbH“ beauftragt worden war. Zunächst schüttelten die Anwohner nur ungläubig mit dem Kopf. Dann sagte schließlich jemand: „Wir sehen das anders. Wenn die Natur am Boden liegt, tritt man nicht extra noch einmal drauf. Und ach ja – Sie wohnen ja bekanntlich nicht hier.“

Autor: Jan Schmidt / Wildeshauser Zeitung

Das Foto wurde uns zur Verfügung gestellt von http://www.LuftbildBlogger.de.

 

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