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15.07.2011 - NWZ

Starker Wind wirbelt die Schadstoffe auf

Staatssekretär Dr. Stefan Birkner hört sich vor Ort die vielfältigen Sorgen der Deponiegegner an

Birkner, Staatssekretär im Umweltministerium, und FDP-Landtagsfraktionschef Christian Dürr waren vor Ort. Eingeladen hatte FDP-Kreisfraktionschef Ernst-August Bode.

„Keine Deponie neben Anlagen, die Lebensmittel produzieren“, forderte der Sprecher der Bürgerinitiative Steinhöhe, Claus Rohde, am Donnerstag bei einem Informationsbesuch von Niedersachsens Umwelt-Staatssekretar Dr. Stefan Birkner, den die FDP organisiert hatte. 2800 Schweine werden in zwei Betrieben in der Nachbarschaft gemästet. 210 000 Legehennen versehen ihren Dienst in einer modernen Stallanlage, die die Deutsche Frühstücksei 2009 für rund acht Millionen Euro an einem alten Standort an der Krumlander Straße neu aufgebaut hat. In unmittelbarer Nähe zur geplanten Deponie. Dort ist eigentlich nur eine Sandabbaufläche, die gemäß den seinerzeit erteilten Auflagen nach der Ausbeutung aufgefüllt und mit Stieleichen und Hainbuchen aufgeforstet werden sollte. Eigentlich . .

Angst vor Kontamination
Große Befürchtung sei die Kontamination mit Schadstoffen, sagte Christian Hinxlage, Geschäftsführer bei der Deutschen Frühstücksei. Er sprach zum Beispiel von Dioxinen, PCB (polychlorierte Biphenyle) oder PAK (polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe), die mit dem Wind und über die Lüftung der Tierhaltungsanlagen in den Produktionskreislauf gelangen könnten. Eine Katastrophe.

Sehr windiger Standort
Dass der Wind Schadstoffe, die auf der Deponie abgelagert werden sollen, durch die Luft pusten wird, steht für die Gegner außer Frage. Nicht ohne Grund sind in diesem Bereich Windkraftanlagen zu finden. Weil es einer der besten Standorte in der Region ist, wie Heiko Abel im Namen der Windkraftbetreiber berichtete. „Da geht der Wind richtig drüber“, so Abel. Gutachten sprechen auch von stark erosionsgefährdeten Flächen in unmittelbarer Nachbarschaft. Zurzeit wird dort schon mal mächtig Sand aufgewirbelt. Beim Betrieb einer Deponie würden es auch eine Menge gefährliche Feinstäube sein, so die Befürchtungen.

Eine Deponie auf Sand?
Selbstverständlich müsse es auch Deponien geben, so die Gegner der Anlage. Jedoch allein schon der Untergrund an diesem Standort sei völlig ungeeignet. Reiner Sandboden bilde keine natürliche Barriere, wie es zum Beispiel beim Lehm oder Ton der Fall sei. Und die Folie zur Abdichtung. Das gebe keine Sicherheit. „Wenn die erste Eternitplatte durch die Folie gedrückt wird“, so Claus Rohde, sei es vorbei. „Das kann man nie wieder abdichten“, sagte er. Das Grundwasser sei erheblich gefährdet. Sorgen macht man sich auch, was denn in 20 oder 30 Jahren ist, wenn der „Gift-Cocktail“ im Untergrund immer noch gefährlich ist.

Auch im laufenden Betrieb müsse große Zuverlässigkeit vom Betreiber erwartet werden. „Eine Kontrolle halte ich aber für sehr schwer“, sagte Sprecher Rohde in einer sehr professionellen Präsentation. Rohde verwies auf die sehr breite Front der Ablehnung und die enorm vielen Gründe, die gegen das Vorhaben sprechen und sich in den unzähligen Einwendungen wiederfinden.

Neutrales Verfahren
Großer Wunsch sei es, dass das zuständige Gewerbeaufsichtsamt eine absolut neutrale Prüfung im Zuge des Verfahrens vornehme und alles fair und objektiv betrachte.

Dass das Gewerbeaufsichtsamt ein neutrales Verfahren führe, sei der mindeste Anspruch, sagte dazu der Staatssekretär. „Das wird auch durch unser Haus mit überwacht“, versprach Birkner.

„Es sind viele beachtliche Punkte“, erklärte Birkner im Anschluss an die Präsentation. Er hat zugehört und sich Notizen gemacht. In das laufende Verfahren wolle er sich nicht einmischen, sagte er. Der Bedarf an einer solchen Deponie sei nicht akut, aber zeichne sich ab. „Irgendwo werden wir mit diesen Stoffen hin müssen“, meinte Birkner.

Dass der Standort in Döhlen dafür allerdings völlig ungeeignet ist, gaben ihm die Vertreter der Initiative Steinhöhe eindrucksvoll mit auf den Weg. Claus Rohde zeigte sich erfreut über den Besuch von Birkner (FDP). Man habe die Bedenken einem sehr kompetenten Mann vortragen können, meinte Rohde. Er fand es deshalb auch nicht schlimm, dass Umweltminister Sander abgesagt hatte.

Einige Zahlen rief der Sprecher der Deponiegegner, Claus Rohde, bei dem Info-Treffen mit dem Staatssekretär noch einmal in Erinnerung:

1,44 Millionen Tonnen Abfälle sollen im Verlauf von 18 Jahren in der geplanten Mineralstoffdeponie landen.

12 Millionen Euro will der Antragsteller, die Bodenkontor Steinhöhe GmbH, in das Projekt investieren.

15 Hektar beträgt die Gesamtfläche der Deponie. Davon sind 11 Hektar reine Deponiefläche. Nach ihrer Verfüllung würde die Deponie einmal 11,50 Meter über dem derzeitigen Geländeniveau liegen.

Autor: KD/NWZ

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